Zusätzlich zur Schuldenkrise sind die Länder im Euro-Raum jetzt auch von Inflation geplagt. Die deutsche Teuerungsrate liegt im September auf dem Drei-Jahres-Hoch von 2,6 Prozent, das ist deutlich mehr als das Ziel der EZB von etwas weniger als 2 Prozent. Die Inflation könnte sich fortsetzen, wenn die politischen Weichen falsch gestellt werden.

Deutsche Teuerungsrate durch Grundbedarf
Auf den ersten Blick hat die Inflation in Deutschland wenig mit der Krise des Euro zu tun, die Preise für Kleidung und Energie haben am meisten angezogen, insgesamt verteuerten sich Waren und Dienstleistungen des Inlandsbedarfs. Es drängen sich allerdings Parallelen mit der letzten Finanzkrise auf, denn eine vorherige Teuerung von so starkem Ausmaß hatte es im September 2008 (2,9 Prozent) gegeben. Experten erwarten nunmehr, dass der Höhepunkt der Inflation erreicht sein könnte, wenn die Weltkonjunktur in 2012 abflaut. Das sollte eigentlich den Druck auf die Preise nehmen. Die EZB hat in diesem Jahr schon zweimal die Leitzinsen erhöht, um die Inflation zu bekämpfen. Sie liegen jetzt bei 1,5 Prozent gegenüber noch 1,00 Prozent im März 2011.
Die Inflation im Herbst 2011 ist freilich durch das billige Geld ausgelöst wurden, das es auch in Europa zu lange gab. Indem Notenbanken auf die 2008er Finanzkrise mit drastischen Zinssenkungen reagierten – in den USA bis gegen null, in Europa immerhin von über 4 auf 1 Prozent – verleiteten sie Unternehmen und Banken zu immer neuen Schulden zu absurd niedrigen Zinsen. Der sich dadurch ausweitende Geldkreislauf treibt die Preise zwangsläufig nach oben.

Weltweite Schuldenkrise
Die gegenwärtige Situation beschreiben erfahrene Finanzpolitiker als weltweite Schuldenkrise von Staaten und Banken. Griechenland, Italien oder Spanien sind nur die Spitze des Eisberges, das Problem sitzt weitaus tiefer. Durch einen immer weiter aufgespannten Euro-Rettungsschirm könnte das Problem unter Umständen verschärft werden. Denn dieser wirft gutes Geld schlechtem hinterher. Allzu verständlich ist deshalb die ablehnende Haltung mancher Politiker auch aus Union und FDP, die am Donnerstag, dem 29.09.2011, gegen die Erweiterung des Rettungsschirms gestimmt haben. Unisono betonen viele Fachleute, dass es ums Sparen ginge, nicht immer um neues Schuldenmachen. Denn wie werden die Finanzmärkte reagieren? Zunächst möglicherweise erleichtert. Doch bald wird der Euro mehr und mehr als schwache Währung gelten, was die Zinsen für Anleihen nach oben treiben dürfte. Währungsräume mit schwachem Geld leiden traditionell unter Inflation, und was heute noch niemand zu denken wagt, könnte bald ganz Europa betreffen: ein Kontinent mit einer angeschlagenen Währung. Denn durch den Rettungsschirm wird die faktische Geldmenge noch einmal erhöht. Das tut dem Euro und der Preisstabilität nicht gut.

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